Katastrophenkompetenz
Wenn man dieser Tage auf Kollegen aus der Branche trifft, kommt man häufig an einem Thema nicht vorbei. Das ist für sich betrachtet weder verwunderlich noch besonders unangenehm, obgleich der Anlass alles andere als angenehm ist: die Massenpanik bei der Loveparade und ihre Folgen. Offenbar scheint man als Profi aus der Veranstaltungsbranche speziell gefordert, zum Unglück, seinen Ursachen, den möglichen Alternativen und auch sonst zu allem, was irgendwie damit zu tun hat, eine Meinung abzusondern. Regelmäßig hört man deshalb seit knapp zwei Wochen aus berufenen Mündern, wie man es hätte richtig machen können, was dazu nötig gewesen wäre, wer was falsch gemacht hat usw. usf.. Selten hat man so viele Menschen getroffen, die jemanden aus dem Kreis der Erfinder und/oder Macher der Loveparade ganz persönlich kennen und stellvertretend dessen mutmaßliche Haltung zum aktuellen Geschehen wiedergeben.
Auch wer sich unter den Veranstaltungsprofis nicht so weit mit vermeintlichen O-Tönen von ganz vorn aus dem Fenster lehnt, ist aktuell immer noch für allerlei gewagte Thesen und Einschätzungen gut. Dabei sollten viele aus der Branche es wirklich besser wissen (was im übrigen auch für die Medien gilt). In einer Zeit, in der mittlerweile alles zum ‘Event’ wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, ist der Druck auf die Verantwortlichen aller Ebenen enorm gestiegen. Fast jeder hat dabei schon mal den Anspruch gehört wenn nicht selbst aufgestellt, mal ‘Fünfe grade sein zu lassen’. Getreu dem Motto ‘… tausend mal ist nichts passiert’ kann sich dann auch jeder glücklich schätzen, der es vollbracht hat, die Fahne der Sicherheit hoch zu halten oder trotz gegenteiligem Ergebnis mit weniger als einem blauen Auge davongekommen zu sein. Aus diesem Grund gilt für alle, die sich derzeit nur mühsam mit Meinungsäußerungen zurückhalten können, mehr denn je der schöne Satz ‘never miss a good chance to shut up!’.











