Nach dem Aufstehen kurz einen Kommentar zur Meldung eines Freundes auf Facebook abgeben, in der U-Bahn ein paar Tweets zu den aktuellsten Themen im Netz absetzen und im Büro dann das Handy-Video der Vorabendveranstaltung auf YouTube hochladen. Am Nachmittag Recherche für einen Musik-Act auf MySpace und schließlich auf Flickr nach Bildern für die Präsentation am nächsten Tag suchen. Zum Schluss noch kurz eine neue Statusmeldung auf dem XING-Profil. Am Abend vor dem TV dann der Gedanke, dass man mal wieder ein richtiges Gespräch führen, mal wieder etwas mit anderen gemeinsam machen sollte …
Was ist eigentlich sozial an den Social-Networks, die derzeit in aller Munde sind? Man hat ständig Kontakte mit FreundInnen, liest von und schreibt für Follower, präsentiert sich vor der gesamten Web-Gemeinde, gibt anderen ständig ein Bild von sich und seinem aktuellen Tun, aber der Anteil der IRL (Webish für in-real-life bzw. im-richtigen-Leben) -Kontakte ist im langsamen Sinkflug. Als vor mehr als einem Jahrzehnt Paulus Neef von Pixelpark die Vision einer webbasierten Kommunikationslandschaft auf einer Podiumsdiskussion äußerte, führte das zu Skepsis bei den meisten anderen Gästen. Heftigen Widerspruch erntete er vor allem beim Jesuitenpater und Unternehmensberater Rupert Lay, der sich sicher war, dass der direkte menschliche Kontakt durch nichts zu ersetzen sei. Dass heutzutage Beziehungen per SMS beendet werden und in ‘Up in the Air’, dem neuesten Film mit George Clooney, Mitarbeiter per Videokonferenz gefeuert werden sollen, konnte er damals noch nicht ahnen.
Die Vorstellung, über eine effektivierte Kommunikation zu verfügen, die kaum Zeit und noch weniger Geld kostet, scheint besonders Controller zu faszinieren. Zwar gibt es in jüngster Zeit einen regelrechten Hype um die Social-Networks, das dazugehörige Marketing proklamiert in mittlerweile immer kürzeren Abständen neue Höhepunkte und kaum jemand mag sich mehr ausschließen. Ob uns das in einer Branche, in deren Fokus von jeher die direkte (Live-)Kommunikation stand, inzwischen ängstigen sollte, ist jedoch zu bezweifeln. Nie wurden Defizite bei den direkten sozialen Kontakten offensichtlicher und deutlicher, wie durch die zunehmende Nutzung der Social-Networks! Dass sich daraus kein Gegensatz ergibt, zeigt die Aktivität von IDEAS und anderen bei Twitter & Co.. Dort finden mittlerweile öfter Vor- und Nachspiel statt, das wahre Leben gibt es aber weiter in ebendiesem!










